In einer Zeit wachsender globaler Herausforderungen – Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit, Verlust von Artenvielfalt – zeigt sich immer deutlicher: Junge Menschen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Roots & Shoots bietet genau diese Möglichkeit. Seit seiner Gründung im Jahr 1991 durch Jane Goodall in Tansania ist es zu einer weltweiten Bewegung gewachsen. In über 60 Ländern setzen sich Kinder und Jugendliche für den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt ein – mit kreativen, lokal verwurzelten und oft überraschend wirkungsvollen Projekten.

Die folgende Übersicht zeigt eine Auswahl von Projekten aus verschiedenen Ländern – eine Sammlung inspirierender Geschichten, wie Kinder und Jugendliche weltweit mit Herz und Verstand zur Veränderung beitragen:

Aktuelle Roots & Shoots Projekte weltweit

Ruanda

Anlässlich des Weltumwelttags organisierte eine Roots & Shoots-Gruppe in Kigali einen interaktiven Workshop an der Sparrow Parents School. Im Mittelpunkt stand die weltweite Plastikproblematik. Die Jugendlichen erklärten die Entstehung von Roots & Shoots und zeigten anhand internationaler Beispiele, wie junge Menschen gegen Plastikverschmutzung aktiv werden. Die Teilnehmenden lernten, warum Plastik eine Gefahr für die Umwelt ist – und wie sich durch bewusstes Verhalten (Müllvermeidung, Wiederverwendung, Recycling) etwas verändern lässt.

USA

Eine Gruppe in Tampa identifizierte mithilfe von Community Mapping einen „Food Desert“ – ein Stadtviertel mit eingeschränktem Zugang zu frischen Lebensmitteln. Aus dieser Analyse entstand ein Urban Gardening-Projekt: Schülerinnen und Schüler zogen Pflanzen in der Schule, spendeten Setzlinge an Familien und gründeten einen Gartenclub. Bald schon wurde geerntet: Salat, Grünkohl, Paprika – und vor allem Wissen über gesunde Ernährung, Kompostierung und nachhaltige Lebensführung.

R&S USA
Credit JGI USA

Alte T-Shirts müssen nicht im Müll landen – das zeigt Carolyn, Mitglied von Roots & Shoots USA, auf kreative Weise. Gemeinsam mit ihrer Schwester verwandelt sie seit August ausgediente Shirts in liebevoll gestrickte Stofftiere. Für jedes verkaufte Stofftier spenden die beiden ein weiteres an Kinderkrankenhäuser oder Gemeinschaften in Not. So wurden bereits 36 T-Shirts vor dem Abfall gerettet – das Ziel sind 100 Stofftiere bis zum Ende des Schuljahres. Ein inspirierendes Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit, Kreativität und Mitgefühl Hand in Hand gehen.

Credit Carolyn H., R&S USA

Italien

In einer italienischen Klasse wurde eine Sammelaktion für alte Mobiltelefone gestartet – angeregt von einem Schüler mit Down-Syndrom, der die Aktion mit seinem Förderlehrer leitete. Die Klasse entwickelte mehrsprachige Flyer, Cartoons und Präsentationen, um für das Projekt zu werben. In nur wenigen Monaten kamen über 10 Kilogramm Altgeräte zusammen, die umweltgerecht recycelt wurden.

Mali

In Bamako in Mali fielen Schlaglöcher auf, die ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr darstellten. Die Roots & Shoots-Gruppe entschied sich, selbst aktiv zu werden: Die Jugendlichen organisierten Material, koordinierten sich und reparierten die Löcher eigenhändig. Ihr Engagement verbesserte nicht nur die Sicherheit, sondern zeigte eindrücklich, wie man lokal Verantwortung übernehmen kann.

Credit Karama

Demokratische Republik Kongo

In Goma arbeitete eine R&S-Gruppe an einem innovativen Projekt zur Abfallverwertung. Nach einer Schulung sammelten die Jugendlichen Plastik- und Bioabfälle, die sie in Öko-Ziegel oder alternative Holzkohleprodukte umwandelten. Über 100 Kilogramm Plastik wurden innerhalb kürzester Zeit verarbeitet – eine Lösung, die Umweltschutz mit wirtschaftlichem Potenzial verbindet.

Österreich und Mali

Anlässlich des Weltbienentags setzten sich Gruppen in beiden Ländern für die Bienen ein. In Österreich entstand in Zusammenarbeit mit einer Klinik eine blühende, bienenfreundliche Wiese. In Mali informierten Jugendliche über die ökologische Bedeutung von Bestäubern und rettenden nebenbei einen verletzten Vogel.

Credit: JGI Austria / Khevenhüller /Gymnasium
Credit Karama/ R&S Mali

Israel

Neue Roots & Shoots-Gruppen in Israel säten seltene Wildblumen an und nutzten diese später für Renaturierungsprojekte. Besonders einfallsreich war eine Kindergartengruppe, die alte Dosen kreativ bemalte und darin Pflanzen aufzog – ein spielerischer Zugang zu Umweltthemen für die Jüngsten.

R&S Israel
R&S Israel

Thailand

An der Unity Concord International School in Thailand entstand eine vielfältige Kampagne, die Kunst, Bildung und direkte Aktion verband: Die Jugendlichen organisierten ein Charity-Konzert, reinigten einen Fluss, gestalteten Kunstwerke zu den UN-Nachhaltigkeitszielen und veranstalteten ein TEDxYouth-Event.

Was wir daraus in der Schweiz mitnehmen können

Die Vielfalt der internationalen Projekte zeigt eindrücklich, dass Wandel dort beginnt, wo Menschen sich begegnen, gemeinsam denken und handeln. Und das gilt auch bei uns. Wir müssen nicht auf politische Massnahmen warten oder große Ressourcen besitzen – was zählt, ist die Bereitschaft, im eigenen Umfeld aktiv zu werden.

1. Umweltbildung lebendig machen

Kindern und Jugendlichen den bewussten Umgang mit Ressourcen näherzubringen, ist ein wichtiger Schritt für langfristige Veränderungen. Workshops zur Plastikvermeidung, Upcycling-Aktionen oder Infoveranstaltungen zu nachhaltigem Konsum lassen sich im Freizeitbereich, in Jugendzentren, Quartieren oder Vereinen umsetzen. Auch Eltern, Organisationen und lokale Gruppen können dazu beitragen, Umweltthemen erlebbar zu machen.

2. Kreative Formate für grosse Themen nutzen

Musik, Kunst, Diskussionsrunden oder Jugendveranstaltungen eignen sich hervorragend, um Nachhaltigkeitsthemen sichtbar zu machen. Gerade in der Schweiz, wo viele junge Menschen Zugang zu kulturellen Angeboten haben, können daraus wirkungsvolle Plattformen entstehen.

3. Urban Gardening fördern

Ob im Gemeinschaftsgarten, auf dem Balkon oder im Innenhof – eigene Lebensmittel anzubauen stärkt das Bewusstsein für Ernährung, Kreisläufe und Natur. Lokale Initiativen, Gärten in Wohnsiedlungen oder offene Pflanzaktionen bieten Möglichkeiten, um gemeinsam zu gärtnern und voneinander zu lernen.

4. Biodiversität im Kleinen fördern

Das Pflanzen von Wildblumen, der Bau von Insektenhotels oder der bewusste Verzicht auf Pestizide im Garten sind einfache, aber wirksame Beiträge zur Artenvielfalt. Jede Wiese, jeder Balkon kann ein Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten sein.

5. Kreative Sammelaktionen starten

Die italienische Handy-Sammelaktion zeigt, wie Aufklärung und konkrete Handlung Hand in Hand gehen. Auch wir können in Gruppen oder Projekten Aktionen starten, um Altgeräte, Batterien oder Kleidung zu sammeln – verbunden mit Öffentlichkeitsarbeit, Plakaten oder Infoständen.

6. Abfall als Ressource begreifen

Ob Plastikziegel, DIY-Projekte oder Bastelaktionen: Wenn aus Abfall etwas Neues entsteht, wird Umweltschutz greifbar. In der Schweiz gibt es viele Initiativen und offene Werkstätten, die Raum für solche Projekte bieten – und ermutigen, mit Materialien kreativ zu experimentieren.

7. Lokal handeln – direkt und sichtbar

Die Strassenreparatur in Mali macht Mut: Wer ein Problem erkennt, kann selbst zur Lösung beitragen. Auch hier kann jeder mitgestalten – sei es bei Sauberkeitsaktionen, Verschönerung des öffentlichen Raums oder der Organisation von kleinen Hilfsaktionen im Quartier.

Gemeinsam für eine bessere Zukunft

Roots & Shoots ist ein lebendiger Beweis dafür, dass jede und jeder etwas bewegen kann. Es zeigt: Grosse Herausforderungen lassen sich auch im Kleinen angehen – wenn wir Verantwortung übernehmen, kreativ werden und uns miteinander verbinden.

Ob in Ruanda, Thailand, Israel oder in deinem Wohnviertel – überall entstehen Ideen, aus denen Hoffnung wächst. Was zählt, ist der erste Schritt.

„Was du tust, macht einen Unterschied. Und du musst entscheiden, was für einen Unterschied du machen willst.“

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